Schwerbehindertenausweis beantragen: Das Wichtigste auf einen Blick
- Was ist ein Schwerbehindertenausweis? Er dient dazu, Nachteile auszugleichen, die durch eine Behinderung entstehen – nicht, um Vorteile zu schaffen.
- Wer hat Anspruch? Dein Angehöriger braucht einen festgestellten Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 sowie einen Wohnsitz oder Arbeitsplatz in Deutschland.
- Wie stellst du den Antrag? Der Antrag ist kostenlos und kann bei der zuständigen Behörde eingereicht werden – oft auch online.
Warum sich der Schwerbehindertenausweis für pflegende Angehörige lohnt
Vielleicht hast du dich schon gefragt, welche Vorteile der Ausweis bringt. Wichtig ist: Es geht nicht um „Extras“, sondern um einen fairen Ausgleich. Menschen mit Behinderung sollen dadurch die gleichen Chancen im Alltag bekommen wie alle anderen.
Für dich als pflegender Angehöriger kann das eine große Entlastung sein – zum Beispiel durch finanzielle Hilfen, steuerliche Erleichterungen oder Unterstützung im Alltag. Je nach festgestelltem Grad der Behinderung und den eingetragenen Merkzeichen profitiert dein Angehöriger unter anderem von Steuerfreibeträgen, Vergünstigungen oder Befreiungen im öffentlichen Nahverkehr, Ermäßigungen bei Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie Parkerleichterungen.
Entlastung und Teilhabe
Auch arbeitsrechtliche Vorteile wie zusätzlicher Urlaub oder ein besonderer Kündigungsschutz können eine Rolle spielen. In vielen Fällen darf zudem eine Begleitperson kostenlos mitfahren, was dich im Alltag direkt entlastet.
Insgesamt hilft der Schwerbehindertenausweis dabei, den Alltag besser zu organisieren, Kosten zu reduzieren und euch mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.
Voraussetzungen für den Schwerbehindertenausweis: Wer hat Anspruch?

Damit dein Angehöriger den Ausweis bekommt, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:
- Der Grad der Behinderung beträgt mindestens 50.
- Es besteht ein Wohnsitz oder Arbeitsplatz in Deutschland.
Grad der Behinderung (GdB): Ab wann gilt eine Schwerbehinderung?
Eine Schwerbehinderung wird offiziell anerkannt, wenn ein GdB von 50 oder mehr festgestellt wird. Außerdem muss die gesundheitliche Einschränkung voraussichtlich länger als sechs Monate bestehen. Mehr dazu erfährst du im Ratgeber: Diese Krankheiten gelten als Schwerbehinderung.
Erst nach dieser Feststellung kannst du den Schwerbehindertenausweis beantragen. In ihm werden auch sogenannte Merkzeichen eingetragen, die zusätzliche Hilfen ermöglichen.
Schwerbehindertenausweis beantragen: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Sobald absehbar ist, dass dein Angehöriger dauerhaft eingeschränkt ist, solltest du aktiv werden und mit ihm gemeinsam den Antrag stellen.
Gerade bei chronischen Erkrankungen entwickeln sich die Beschwerden oft langsam. Hier ist es wichtig, dass ihr frühzeitig handelt.
Nach einem Unfall ist die Situation meist klarer. In solchen Fällen können dich Sozialdienste im Krankenhaus oder in der Reha gut beraten und bei der Antragstellung unterstützen.
Antrag stellen: Wo beantragst du den Schwerbehindertenausweis?
Die Zuständigkeit ist regional geregelt. Du kannst den Antrag in der Regel:
- formlos schriftlich oder
- über ein offizielles Formular
bei der zuständigen Behörde einreichen. In vielen Regionen ist auch eine Online-Antragstellung möglich.
Formulare bekommst du außerdem bei:
- Stadt- und Kreisverwaltungen
- Sozialverbänden
- Beratungsstellen
Unterlagen für den Schwerbehindertenausweis: Was du einreichen musst
Für die Entscheidung zählt vor allem, was du einreichst – denn häufig erfolgt keine persönliche Untersuchung.
Wichtig ist: Gib alle Einschränkungen an, nicht nur die Hauptdiagnose.
Hilfreiche Unterlagen sind zum Beispiel:
- Arztberichte und Gutachten
- Krankenhaus- und Reha-Entlassungsberichte
- Laborwerte oder EKG-Befunde
- bereits vorhandene Gutachten von Krankenkassen oder Behörden
Schwerbehindertenausweis beantragen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Mit dem Hausarzt sprechen
Der Arzt deines Angehörigen ist eine wichtige Unterstützung. Er kann Atteste erstellen und den Gesundheitszustand schriftlich einschätzen.
Tipp: Entbinde ihn von der Schweigepflicht, damit er Auskünfte geben darf.
2. Wichtige Unterlagen sammeln
Je vollständiger deine Unterlagen sind, desto besser stehen die Chancen auf eine korrekte Einstufung.
3. Antrag einreichen und Bearbeitungszeit beachten
Achte darauf, das richtige Formular für dein Bundesland zu verwenden. Die Bearbeitung dauert in der Regel drei bis sieben Wochen. Bei Bewilligung erhält dein Angehöriger den Ausweis im Scheckkartenformat.
Hilfe beim Antrag: Diese Stellen unterstützen dich
Du musst das nicht allein machen. Hilfe bekommst du bei:
- Sozialdiensten in Krankenhäusern oder Reha-Einrichtungen
- Pflegestützpunkten
- Sozialverbänden
- Schwerbehindertenvertretungen
10 Tipps für den Schwerbehindertenausweis: So erhöhst du die Erfolgschancen
- Nimm dir ausreichend Zeit zum Ausfüllen.
- Beschreibe die Einschränkungen im Alltag möglichst genau.
- Hole dir Unterstützung von Fachstellen.
- Nenne alle Erkrankungen – nicht nur die Hauptdiagnose.
- Sprich dich mit dem behandelnden Arzt ab.
- Bitte um detaillierte Befundberichte.
- Gib alle behandelnden Ärzte und Einrichtungen an.
- Sende nur Kopien, niemals Originale.
- Bewahre eine Kopie des Antrags auf.
- Lege möglichst direkt ein Passfoto bei.
Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis: Was du wissen solltest
Im Antrag kannst du ankreuzen, welche Merkzeichen zutreffen könnten. Sie dienen aber nur als Orientierung. Die endgültige Entscheidung trifft die zuständige Behörde.
Diese Merkzeichen gibt es im Schwerbehindertenausweis:
- G: Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit
- aG: außergewöhnliche Gehbehinderung
- H: Hilflosigkeit
- Bl: Blindheit
- Gl: Gehörlosigkeit
- TBl: Taubblindheit
- B: Begleitperson
- 1 Kl: 1. Klasse
- RF: Rundfunk/Fernsehen
- Zugehörigkeit zu Sondergruppen: Kriegsbeschädigt
- EB: Entschädigungsberechtigt
- VB: Versorgungsberechtigt
- Weitere Merkzeichen nach Landesrecht
- HS: Hochgradig Sehbehindert (Mecklenburg-Vorpommern)
- T: Teilnahmeberechtigung am Sonderfahrdienst (Berlin)
Widerspruch einlegen: Was tun bei falschem GdB?
Wenn der Grad der Behinderung zu niedrig angesetzt wurde, kannst du innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.
Wichtig:
- Begründe deinen Widerspruch so genau wie möglich.
- Reiche neue medizinische Unterlagen nach.
Ein Anwalt für Sozialrecht kann dich dabei unterstützen und deine Erfolgschancen erhöhen.
Häufige Fragen zum Schwerbehindertenausweis
Was kostet der Schwerbehindertenausweis?
Nichts. Weder der Antrag noch der Ausweis selbst kosten Geld.
Wie lange ist der Schwerbehindertenausweis gültig?
In der Regel maximal fünf Jahre. Kümmere dich rechtzeitig um die Verlängerung – am besten etwa drei Monate vor Ablauf.
Wie sieht der Schwerbehindertenausweis aus?

Er hat seit einigen Jahren das Format einer Scheckkarte und enthält ein Lichtbild.
Welche Vorteile hat man mit dem Schwerbehindertenausweis?
Auch wenn der Schwerbehindertenausweis kein „Bonus“, sondern ein Nachteilsausgleich ist, bringt er im Alltag spürbare Erleichterungen – für deinen Angehörigen und für dich. Je nach Grad der Behinderung und Merkzeichen sind zum Beispiel steuerliche Vorteile, Vergünstigungen im Nahverkehr, zusätzlicher Urlaub, Kündigungsschutz, Ermäßigungen sowie eine kostenlose Begleitperson möglich. Welche Unterstützung ihr konkret bekommt, hängt von der individuellen Einstufung ab.
Gilt der Schwerbehindertenausweis im Ausland?
Grundsätzlich gilt er nur in Deutschland. Allerdings erleichtert ein englischer Hinweis im Ausweis die Anerkennung im Ausland, wenn dort ähnliche Regelungen bestehen.