Entlastung für die Angehörigen und ein selbstbestimmteres Leben für die Betroffenen: Das ermöglichen die fünf Pflegegrade in Deutschland. Je höher der Pflegegrad ist, desto mehr finanzielle Unterstützung gibt es von der Pflegeversicherung. Dazu gehören:
- Pflegegeld
- Sach- und Betreuungsleistungen
- Hilfsmittel und Umbaumaßnahmen
- Hilfe im Haushalt
Künftig könnte es aber schwieriger werden, einen Pflegegrad zu erhalten oder höher gestuft zu werden. Denn die Pflegeversicherung soll reformiert werden. Voraussichtlich im Herbst 2026 berät die Politik den Referentenentwurf zum Pflege-Neuordnungsgesetz (PNOG). Dieser sieht unter anderem vor, dass die Schwellenwerte für die Pflegegrade 1 bis 3 steigen.
Schwellenwerte für Pflegegrade sollen erhöht werden
Es bräuchte dann also stärkere körperliche oder geistige Einschränkungen für einen Pflegegrad. Diese überprüft ein Pflegegutachter, nachdem ein Pflegegrad beantragt wurde. Je stärker eine Person in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt ist, desto mehr Punkte bekommt sie.
Hat jemand eine bestimmte Punktzahl erreicht, erhält er einen Pflegegrad oder wird höhergestuft – in der Fachsprache nennt man diese Punktgrenzen Schwellenwerte. Tritt die Reform wie geplant in Kraft, sollen ab 2027 folgende Schwellenwerte gelten:
| Pflegegrad | Aktuelle Schwellenwerte | Geplante Schwellenwerte ab 2027 |
| Pflegegrad 1 | 12,5 bis unter 27 Punkte | 15 bis unter 30 Punkte |
| Pflegegrad 2 | 27 bis unter 47,5 Punkte | 30 bis unter 50 Punkte |
| Pflegegrad 3 | 47,5 bis unter 70 Punkte | 50 bis unter 70 Punkte |
| Pflegegrad 4 | 70 bis unter 90 Punkte | Keine Änderung |
| Pflegegrad 5 | 90 bis 100 Punkte | Keine Änderung |
Es geht um Hunderte Euro
Vor allem wer den Schwellenwert knapp erreicht, wird durch die geplante Anhebung möglicherweise nicht mehr höhergestuft. Bekommt jemand etwa 49 Punkte beim Pflegegutachten, erhält er zurzeit Pflegegrad 3. Künftig wäre es Pflegegrad 2.
Er bekommt also weniger finanzielle Leistungen von der Pflegeversicherung. Dabei geht es um Hunderte Euro, die den Alltag der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen erleichtern.
Lassen Sie Ihren Pflegegrad 2026 überprüfen
Deshalb lohnt es sich, den Pflegegrad noch dieses Jahr überprüfen zu lassen oder einen Pflegegrad zu beantragen. Denn ein bestehender Pflegegrad soll nicht wegen der neuen Schwellenwerte herabgesetzt oder entzogen werden. Es ist ein Bestandsschutz vorgesehen.
Das ist auch so, wenn Sie gegen einen Pflegegradbescheid Widerspruch einlegen wollen. Werden Sie noch 2026 aktiv. Zumal viele Betroffene viel zu lange in einem zu tiefen Pflegegrad sind.
Unsere Pflegeberaterinnen beraten Sie gerne, helfen bei der Beantragung und beantworten Ihre Fragen zur Pflegereform. Klicken Sie auf den unten stehenden Banner, wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen möchten.
Pflegegrad überprüfen: die wichtigsten Fragen und Antworten
Was ändert sich 2027 bei den Pflegegraden?
Nach dem derzeitigen Referentenentwurf sollen die Zugangsschwellen für Pflegegrad 1, 2 und 3 angehoben werden. Die Schwellenwerte für Pflegegrad 4 und 5 sollen unverändert bleiben. Die Reform ist noch nicht endgültig beschlossen.
Wird es 2027 schwieriger, einen Pflegegrad zu bekommen?
Nach dem derzeitigen Entwurf des Pflege-Neuordnungsgesetzes (PNOG) sollen die Schwellenwerte für die Pflegegrade 1 bis 3 steigen. Dadurch wären künftig mehr Punkte nötig, um einen dieser Pflegegrade zu erhalten. Die Änderungen sind allerdings noch nicht beschlossen.
Wie viele Punkte braucht man 2027 für Pflegegrad 1, 2 und 3?
Nach dem aktuellen Referentenentwurf sollen für Pflegegrad 1 künftig mindestens 15 Punkte, für Pflegegrad 2 mindestens 30 Punkte und für Pflegegrad 3 mindestens 50 Punkte erforderlich sein. Heute liegen die Schwellen bei 12,5, 27 beziehungsweise 47,5 Punkten.
Soll ich meinen Pflegegrad noch 2026 überprüfen lassen?
Wenn sich der Unterstützungsbedarf erhöht hat und der bestehende Pflegegrad möglicherweise zu niedrig ist, kann es sinnvoll sein, noch 2026 eine Höherstufung zu beantragen. Das gilt auch, wenn Sie gegen einen Pflegegrad Widerspruch einlegen möchten. Nach dem aktuellen Entwurf könnten die Schwellenwerte für Pflegegrad 1 bis 3 ab 2027 steigen.
Kann ein bestehender Pflegegrad durch die Pflegereform verloren gehen?
Nein, nach dem aktuellen Entwurf ist ein umfassender Bestandsschutz vorgesehen. Ein bereits anerkannter Pflegegrad soll nicht allein aufgrund der neuen Schwellenwerte herabgesetzt oder entzogen werden. Wie bisher ist eine Herabstufung möglich, wenn sich der Gesundheitszustand verbessert.
Wer kann den Pflegegrad überprüfen?
Wer gesetzlich versichert ist, wird vom Medizinischen Dienst (MD) überprüft. Privatversicherte erhalten Besuch vom Gutachterdienst Medicproof. Um die Überprüfung in die Wege zu leiten, müssen Sie aber einen Antrag bei der Pflegeversicherung einreichen. Am besten, Sie lassen sich von einer Pflegeberaterin unterstützen.