Das Wichtigste in Kürze
- Rechtliche Einstufung: Ab einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 gilt eine Person als schwerbehindert.
- Breites Spektrum an Ursachen: Neben körperlichen Erkrankungen zählen auch psychische, neurologische und chronische Krankheiten dazu.
- Ausgleich von Nachteilen: Ein Schwerbehindertenausweis sowie ergänzende Pflegeleistungen können den Alltag erheblich erleichtern. Zusätzlich lohnt es sich, einen Pflegegrad zu beantragen.
Mehrere Millionen Menschen haben eine schwere Behinderung
In Deutschland leben derzeit fast acht Millionen Menschen mit einer anerkannten schweren Behinderung. Die Zahl nimmt seit Jahren zu, was vor allem mit dem demografischen Wandel zusammenhängt.
Ein großer Teil der Betroffenen befindet sich im höheren Erwerbs- oder Rentenalter. Schwere Behinderungen können sehr unterschiedliche Ursachen haben – von körperlichen Erkrankungen über psychische Leiden bis hin zu neurologischen Einschränkungen. Doch ab wann gilt eine Person rechtlich als schwerbehindert und welche Erkrankungen können dazu führen?
Ab wann spricht man von einer Schwerbehinderung?
Eine Schwerbehinderung liegt dann vor, wenn der Grad der Behinderung (GdB) mindestens 50 beträgt. Der GdB beschreibt, wie stark eine gesundheitliche Beeinträchtigung die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einschränkt. Besonders bei langanhaltenden oder schweren Erkrankungen steigt die Wahrscheinlichkeit einer höheren Einstufung.
Als chronisch gilt eine Krankheit, wenn sie regelmäßig ärztlich behandelt werden muss – etwa mindestens einmal pro Quartal – oder wenn eine dauerhafte medizinische Betreuung erforderlich ist, um eine Verschlechterung zu verhindern. Die Anerkennung chronischer Erkrankungen als Behinderung dient unter anderem dem Schutz vor Benachteiligung im Alltag und im Berufsleben.
Welche Krankheiten zählen als Schwerbehinderung?
Viele Menschen verbinden mit dem Begriff Behinderung vor allem sichtbare körperliche Einschränkungen wie Lähmungen oder den Verlust von Gliedmaßen. Tatsächlich machen körperliche Beeinträchtigungen den größten Anteil aus. Daneben spielen jedoch auch psychische und neurologische Erkrankungen eine bedeutende Rolle.
Nur ein kleiner Teil der Behinderungen ist angeboren oder genetisch bedingt. Die meisten entstehen im Laufe des Lebens, etwa durch Krankheiten oder Unfälle. Besonders häufig führen schwere oder chronische Erkrankungen zu einer Anerkennung als Schwerbehinderung. Dazu zählen unter anderem:
- Krebserkrankungen
- Schlaganfälle
- Herz- und Kreislauferkrankungen
- Diabetes mellitus
- Rheumatische Erkrankungen
- Asthma bronchiale
- Depressive Erkrankungen
- Tinnitus
- Schwere Hauterkrankungen
Darüber hinaus können Sinnesbeeinträchtigungen wie Hörverlust, Gehörlosigkeit oder starke Sehbehinderungen bis hin zur Blindheit als Schwerbehinderung anerkannt werden.
Auch Sprachstörungen, etwa infolge eines Schlaganfalls, sowie neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Epilepsie fallen darunter. Ebenso zählen dauerhafte psychische Erkrankungen, beispielsweise Schizophrenie, zu den möglichen Ursachen.
Demenz als Ursache einer Schwerbehinderung
Auch eine Demenzerkrankung kann zu einer Schwerbehinderung führen. Dabei handelt es sich nicht nur um Gedächtnisprobleme, sondern um eine fortschreitende Einschränkung kognitiver Fähigkeiten.
Betroffene verlieren nach und nach Orientierung, Sprachvermögen und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erfassen. In den meisten Fällen ist Demenz nicht heilbar, was erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Erkrankten und ihres sozialen Umfelds hat.
Wie wird der Grad der Behinderung festgelegt?
Welche Höhe der Grad der Behinderung im Einzelfall erreicht, hängt nicht allein von der Diagnose ab, sondern vor allem vom Ausmaß der funktionellen Einschränkungen. Zwei Personen mit derselben Erkrankung können daher sehr unterschiedlich eingestuft werden.
So kann ein Mensch nach einem Schlaganfall weitgehend selbstständig bleiben und nur geringfügige Einschränkungen haben – in diesem Fall liegt der GdB möglicherweise unter 50. Bei schweren dauerhaften Folgen wie Lähmungen, Sprachstörungen oder vollständiger Pflegebedürftigkeit wird dagegen häufig ein deutlich höherer GdB festgestellt.
Was bringt der Schwerbehindertenausweis?
Der Schwerbehindertenausweis dient dazu, bestehende Nachteile im Alltag zumindest teilweise auszugleichen. Er wird nicht nur bei sichtbaren körperlichen Einschränkungen ausgestellt, sondern auch bei psychischen oder chronischen Erkrankungen. Der Grad der Behinderung wird in Stufen von 10 bis 100 festgelegt und kann durch zusätzliche Merkzeichen ergänzt werden, die besondere Bedürfnisse kennzeichnen.
Mit einem anerkannten Schwerbehindertenausweis profitieren Sie von verschiedenen Vorteilen im Alltag und Beruf. Dazu gehören etwa ein besonderer Kündigungsschutz am Arbeitsplatz oder zusätzliche Urlaubstage. Auch steuerliche Vergünstigungen können damit beantragt werden. Darüber hinaus erleichtert der Ausweis den Zugang zu ermäßigten Eintrittspreisen für Museen, Schwimmbäder sowie öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn.
Unter diesem Link erfahren Sie mehr zum Thema finanzielle Hilfen und Vergünstigungen für Menschen mit Behinderung.
Warum sollte ich zusätzlich einen Pflegegrad beantragen?
Bei vielen schweren Behinderungen besteht gleichzeitig ein erhöhter Bedarf an Pflege oder Betreuung. Deshalb ist es sinnvoll, zusätzlich einen Pflegegrad zu beantragen. Ein anerkannter Pflegegrad ermöglicht den Zugang zu verschiedenen Leistungen, etwa:
- Unterstützung durch ambulante Pflegedienste
- Hilfe im Alltag durch Betreuungskräfte
- Unterbringung in einer stationären Pflegeeinrichtung
Unsere Pflegeberaterinnen und Pflegeberater helfen dir gerne, wenn es um die Beantragung oder Erhöhung des Pflegegrades geht.
Wie beantrage ich den Schwerbehindertenausweis?
Wenn du einen Schwerbehindertenausweis bekommen möchtest, musst du zuerst einen Antrag auf Feststellung des Grades der Behinderung (GdB) stellen – falls das noch nicht passiert ist. Den Antrag reichst du beim zuständigen Versorgungsamt oder Amt für Soziales in deinem Bundesland ein, meist online oder per Post. Wichtig ist, dass du alle gesundheitlichen Einschränkungen angibst und möglichst aktuelle ärztliche Unterlagen beifügst. Auf dieser Grundlage wird geprüft, wie stark dich deine Beeinträchtigungen im Alltag einschränken.
Wird bei dir ein GdB von mindestens 50 festgestellt, erhältst du automatisch einen Schwerbehindertenausweis. In manchen Fällen musst du dafür noch ein aktuelles Passfoto einreichen. Der Ausweis wird dir dann per Post zugeschickt und ist in der Regel befristet. Läuft er ab, kannst du rechtzeitig eine Verlängerung beantragen.
Fazit
Schwere Behinderungen haben viele Gesichter und sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Wer vermutet, dass eine gesundheitliche Beeinträchtigung vorliegt, sollte frühzeitig das Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt suchen.
Diese können eine erste Einschätzung geben und die notwendige medizinische Dokumentation für die Beantragung des Grades der Behinderung erstellen.