Das Wichtigste in Kürze
- Zu teuer und zu bürokratisch: Dass die Pflegeversicherung reformiert werden soll, ist richtig.
- Doch wie? Die Leistungen sollen übersichtlicher werden – ob dies gelingt, wird sich zeigen.
- Schmerzhaft: Pflegebedürftige und ihre Angehörigen müssen mit finanziellen Einbußen rechnen. Einiges davon sehen wir kritisch.
Warum ist die Reform nötig?
Rund 5,7 Millionen Menschen brauchen in Deutschland zurzeit Pflege. Das sind doppelt so viele wie 2015. Deshalb steht die Pflegeversicherung unter finanziellem Druck, allein 2027 wird ein Defizit von 7,5 Milliarden Euro erwartet. Und die Ausgaben werden aufgrund des demografischen Wandels weiter steigen.
Reformbedarf ist unbestritten, doch wie?
Damit Pflegebedürftige weiterhin Hilfe erhalten, braucht es umfassende Änderungen. Der Reformbedarf ist unbestritten. Durch das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) möchte die Politik Ausgaben senken und Einnahmen anpassen.
Ein Entwurf liegt seit Juni 2026 vor, am 30. September 2026 hat das Kabinett die Reform beschlossen. Damit das Gesetz wie geplant am 1. Januar 2027 in Kraft tritt, muss es aber noch durch den Bundestag und Bundesrat. Sicherlich werden die geplanten Änderungen noch für hitzige Diskussionen sorgen.
Warum werden die Beiträge für Arbeitnehmer erhöht?
Denn die Pflegereform trifft uns alle! Auch diejenigen, die mit dem Thema Pflege vermeintlich nichts zu tun haben. So sollen für bestimmte Gruppen die Beiträge für die Pflegeversicherung steigen – so müssen Gutverdienende und Kinderlose mit höheren Lohnabzügen rechnen.
Und statistisch gesehen werden die meisten irgendwann in ihrem Leben auf Hilfe angewiesen sein oder andere unterstützen. Damit sie die Pflege nicht aus der eigenen Tasche finanzieren müssen, braucht es diese Reform.
Welche Leistungen werden für Pflegebedürftige reduziert?
Trotzdem müssen auch Hilfsbedürftige mit Einschnitten rechnen, sollte die Reform wie geplant umgesetzt werden. Unter anderem könnte es dann schwieriger sein, einen Pflegegrad zu erhalten.
Wer neu in Pflegegrad 2 oder 3 eingestuft wird, soll in den ersten drei Monaten nur Anspruch auf die Hälfte des neuen Entlastungsbudgets haben. Bei Pflegegrad 1 steht der Entlastungsbetrag von 131 Euro vor dem Aus, mit dem eine Alltagshilfe finanziert wird. Sozialverbände, Betroffene, Politiker und Gesundheitsexperten kritisieren diese Pläne.
Warum sollte auch bei den pflegenden Angehörigen gekürzt werden?
Für großen Widerstand sorgten auch die vorgesehenen Kürzungen bei den Rentenansprüchen für pflegende Angehörige. Regierungs- und Ministeriumsvertreter kündigten aber bereits an, diesen Punkt korrigieren zu wollen und die Rentenansprüche für Pflegende zu sichern.
Welche Nachteile sehen wir in der Reform?
Auch Julia Gitzbrecht, Gerontologin und Qualitätsbeauftragte bei hallo.care, hofft auf eine Korrektur: „Angehörige leisten unglaublich viel und entlasten die Pflegekasse. Sie sollten nicht bestraft werden.“
Doch das ist nicht ihr einziger Kritikpunkt. Erstens hält Julia die Streichung des Entlastungsbetrages bei Pflegegrad 1 für falsch. Denn so können sich die Betroffenen keine Alltagsassistenz mehr finanzieren, die viel mehr ist als eine Haushaltshilfe, erklärt Julia: „Sie minimiert auch Einsamkeit und erkennt gesundheitliche Probleme rechtzeitig.“
Zweitens kritisiert Julia, dass Pflegebedürftige in den ersten drei Monaten nur die Hälfte des Entlastungsbudgets (bisher Pflegegeld) erhalten: „Das trifft auch Familien, die sehr plötzlich eine Versorgung organisieren müssen. Gerade in dieser Phase braucht es genügend finanzielle Mittel.“

Welche Chancen sehen wir in der Reform?
Doch die Pflegeexpertin sieht auch Chancen in der Reform. Denn diese möchte bürokratische Hürden abbauen. Die Leistungen der Pflegekasse sollen übersichtlicher organisiert werden. Außerdem sollen digitale Angebote ausgebaut und Pflegebedürftige schneller erkennen können, welche Leistungen ihnen zustehen.
„Die bisherigen Leistungen sind für die Familien kaum nachvollziehbar. Änderungen sind also nötig“, sagt Julia. Ob dies gelinge, sei abzuwarten: „Denn werden nur neue Begriffe eingeführt, bringt das nicht viel. Entscheidend ist, ob Menschen ihre Ansprüche künftig tatsächlich leichter verstehen.“
Denn Pflege sei immer noch individuell. Jede Familie habe andere Bedürfnisse: „Deshalb wird Beratung noch wichtiger werden.“
Habt ihr Fragen zur Reform?
In weiteren Artikeln informieren wir euch über die geplanten Budgets und was sie für den Alltag der Pflegebedürftigen bedeuten könnten. Was Familien noch 2026 tun sollten, erfahrt ihr zudem in unserer Checkliste.
Auch Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten von hallo.care unterstützen euch gerne bei Fragen und Unsicherheiten zur anstehenden Reform – verständlich, unabhängig und auf Augenhöhe. Klickt auf den unten stehenden Banner, wenn ihr eine Beratung möchtet.