Mehr als Putzen: Warum der Beruf der Alltagsbetreuerin oft unterschätzt wird

Inhaltsverzeichnis
Nicole begleitet ältere Menschen im Alltag, entlastet ihre Familien und zeigt, dass der Beruf der Alltagsbetreuerin weit mehr ist als Putzen und Einkaufen. Ein persönlicher Einblick in einen spannenden Beruf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nicole leistet für hallo.care Alltagsbetreuung in Düsseldorf und Umgebung. Für diese Unterstützung erhalten die Senioren Geld von der Pflegekasse.
  • Im Interview verrät sie, warum ihre Arbeit nicht nur mit Putzen zu tun hat, sondern sehr abwechslungsreich ist.
  • Nicole schätzt außerdem ihren familienfreundlichen Arbeitgeber und die wertschätzende Beziehung zu ihren Klienten. Von ihnen kann sie viel lernen.

Nicole, Alltagsbetreuerin ist für dich ein unterschätzter Beruf. Was gefällt dir so gut daran?
Nicole: Es ist der perfekte Job für alle, die ein großes Herz haben und gerne Menschen helfen. Unsere Arbeit ist sinnvoll und wir tun etwas Gutes. Zudem treffen wir Alltagsbetreuerinnen viele neue Leute und haben Einblicke in unterschiedliche Lebenswelten. Auch zu sehen, wie das Leben im Alter werden kann, ist interessant. Wir helfen in allen möglichen Bereichen. Das macht diese Arbeit so spannend und abwechslungsreich.

Portrait von Nicole Velten.
Unsere Alltagsbetreuerin Nicole.

Viele denken, Alltagsbetreuerinnen seien so etwas wie Reinigungskräfte.
Tatsächlich unterstützen wir Senioren beim Putzen, da sie bei körperlich anstrengenden Arbeiten oft Hilfe benötigen. Doch unsere Aufgaben sind viel umfassender. Wir helfen älteren Menschen auch beim Einkaufen, Wäschewaschen, bei Bürokram, Telefonaten oder Gartenarbeiten. Manchmal leisten wir einfach nur Gesellschaft, begleiten Senioren bei Spaziergängen oder gehen mit dem Hund Gassi.

Wie viel kostet eine Alltagsbetreuung?
Für die Seniorinnen und Senioren meistens gar nichts. Denn ab Pflegegrad 1 erhält jeder, der zu Hause gepflegt wird, von der Pflegekasse einen Entlastungsbetrag im Wert von 131 Euro pro Monat. Dieses Geld wird nicht direkt ausgezahlt. Es muss für anerkannte Angebote ausgegeben werden, die pflegebedürftige und pflegende Angehörige im Alltag unterstützen und entlasten. Genau das machen wir Alltagsbetreuerinnen. Der Entlastungsbetrag reicht bei hallo.care für eine Stunde Alltagsbetreuung pro Woche.

Wie bist du Alltagsbetreuerin geworden?
Ich habe schon immer sehr gerne mit Menschen gearbeitet. Fast zehn Jahre lang war ich am Empfang einer Bowlingbahn tätig, da hatte ich ständig Kontakt mit unterschiedlichen Leuten. Doch dann kam Corona und die Bowlingbahn ging Konkurs. Ich fand einen neuen Job in einem Supermarkt.

Doch die Schichtarbeit war nicht mit meiner familiären Situation vereinbar. Ich bin alleinerziehende Mutter und meine Tochter war damals noch im Kleinkindalter. Außerdem war das Betriebsklima schlecht. Ich wollte einen Arbeitgeber, bei dem man sich unterstützt und stärkt.

Und einen solchen Job hast du bei hallo.care gefunden?
Das war ein riesengroßes Glück. Ich bin 2020 über ein Facebook-Inserat darauf aufmerksam geworden. Da ich bereits früher als Reinigungskraft tätig war und gerne Menschen helfe, wusste ich sofort: Das ist der perfekte Job für mich. Das sah auch meine Chefin so. Sie sagte mir bereits am Telefon, dass sie mich nehmen möchte. Doch vorher wollte sie mich zumindest einmal gesehen haben.

Portrait von einer älteren Frau im Rollstuhl und ihrer Angehörigen.
Die Aufgaben einer Alltagsbetreuerin sind sehr vielfältig – auch Spaziergänge gehören dazu.

Offensichtlich war das Bewerbungsgespräch erfolgreich. Du arbeitest bereits seit fast sechs Jahren bei uns als Alltagsbetreuerin.
(lacht) Ja, obwohl am Tag des Jobinterviews meine Kinderbetreuung unerwartet ausfiel. Ich wollte das Gespräch absagen, doch meine Chefin bot mir an, meine Tochter einfach mitzunehmen. Da war mir klar, dass ich bei solch einem familienfreundlichen Arbeitgeber tätig sein möchte. Ich habe mich gleich gut aufgehoben gefühlt und wir haben uns auf Anhieb verstanden.

Was gefällt dir an der Arbeit mit älteren Menschen?
Es sind spannende Leute, die viel erlebt haben. Über die Jahre habe ich mit vielen Klientinnen und Klienten eine wertschätzende Beziehung aufbauen können. Ich bin ja oft einmal pro Woche da und für viele schon fast ein Familienmitglied. Die älteren Menschen freuen sich über Gesellschaft. Einsamkeit kommt häufig vor. Meine Klienten wissen aber auch einiges über mich. Davon profitiert meine Tochter. Zu Weihnachten beschenken die Senioren mein Kind gerne mit Schokolade.

Doch deine Klientinnen und Klienten haben auch mit Herausforderungen zu kämpfen.
Sie haben chronische Krankheiten wie Diabetes oder Arthrose und sie sind nicht mehr so gelenkig. Die Kräfte schwinden im Alter. Es fehlt die Energie, um anstrengende Haushaltsarbeiten zu erledigen. Trotzdem wollen viele selbst mit anpacken.

Wie gehst du damit um?
Wir vereinbaren dann, dass sie Haushaltsarbeiten auf Brusthöhe erledigen. Ich mache alles, was mit Bücken oder Strecken zu tun hat – etwa Staubsaugen, Fensterputzen oder die Ecken sauber machen. Dafür sind mir die Seniorinnen und Senioren sehr dankbar.

Auch die nachlassende Sehkraft ist für einige Klienten ein Problem. Sie sehen den Dreck nicht mehr und vertrauen mir, dass ich alles beseitige. Sie haben es ja gerne ordentlich. Nur setzt ihnen ihr Körper gewisse Grenzen.

Seit einigen Monaten bist du für hallo.care nicht nur als Alltagsbetreuerin im Einsatz, sondern auch als Pflegeberaterin in Düsseldorf und Umgebung. Wie kam es zu dieser neuen Tätigkeit?
Meine Chefin hat mich gefragt, ob ich auch Beratungseinsätze nach Paragraf 37.3 durchführen möchte. Dazu ist jeder ab Pflegegrad 2 verpflichtet, der zu Hause von seinen Angehörigen gepflegt wird und Pflegegeld erhält.

Die Arbeit als Pflegeberaterin ist für mich eine großartige Möglichkeit zur Weiterentwicklung und eine tolle Ergänzung. Als Alltagsbetreuerin kenne ich die typischen Probleme von Senioren zu Hause. Nun kann ich sie dazu beraten, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt, und dazu beitragen, die Qualität der häuslichen Pflege zu verbessern. Ich liebe es, dass ich bei meiner Arbeit so oft unterwegs bin. Die ganze Zeit vor dem Rechner zu sitzen, ist nichts für mich. Mein Auto ist mein Büro. Langeweile kommt bei meinem Job nie auf.

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