Das Wichtigste in Kürze
- Gründlichkeit statt Pflichttermin: Eine gute Pflegeberatung nimmt sich Zeit, analysiert die Pflegesituation umfassend und beschränkt sich nicht auf oberflächliche Fragen.
- Konkrete Hilfe im Alltag: Seriöse Pflegeberater:innen kennen Leistungen der Pflegekasse, geben praktische Empfehlungen und unterstützen aktiv bei Anträgen.
- Fachlich stark und menschlich nah: Qualifikation, Einfühlungsvermögen und Respekt sind entscheidend – Pflegeberatung soll entlasten, nicht kontrollieren.
Warum Beratungseinsätze nach § 37.3 verpflichtend sind
Wer Pflegegeld erhält und zu Hause von Angehörigen oder anderen Privatpersonen versorgt wird, muss ab Pflegegrad 2 regelmäßig einen Beratungseinsatz nach Paragraf 37.3 wahrnehmen – auch Pflegeberatung nach § 37.3 genannt. Diese Termine finden ab Pflegegrad 2 halbjährlich statt. Bei den Pflegegraden 4 und 5 sind vierteljährliche Beratungen auf Wunsch möglich. Werden die halbjährlichen Pflegeberatungen versäumt, kann das Pflegegeld gekürzt oder sogar gestrichen werden. Die Kosten übernehmen die Pflegekassen.
Ziel dieses Beratungseinsatz ist es, die Qualität der häuslichen Pflege sicherzustellen und pflegende Angehörige zu unterstützen. In der Praxis wird dieses Ziel jedoch nicht immer erreicht. Umso wichtiger ist es zu wissen, worauf es bei einer guten Pflegeberatung wirklich ankommt, die bei dir zu Hause oder online stattfinden kann. Hier sind unsere acht wichtigsten Kriterien.
1. Eine gute Pflegeberatung nimmt sich ausreichend Zeit
Eine seriöse Pflegeberatung dauert in der Regel mindestens 30 Minuten. Bei Erstgesprächen kann der Zeitaufwand auch deutlich höher liegen. Nur so lässt sich die individuelle Situation wirklich erfassen.
Leider kommt es vor, dass Beratungstermine sehr kurz gehalten werden oder eher „nebenbei“ stattfinden. Wird lediglich eine Unterschrift eingeholt, ohne ein echtes Gespräch zu führen, erfüllt das nicht den Sinn des § 37.3.
2. Die gesamte Pflegesituation wird genau betrachtet
Bei einem qualitativ hochwertigen Beratungseinsatz sind idealerweise sowohl die pflegebedürftige Person als auch die pflegenden Angehörigen anwesend. Ziel ist es, ein realistisches Bild des Alltags zu bekommen.
Dazu gehören unter anderem:
- der körperliche Zustand und die Mobilität der pflegebedürftigen Person
- ihre Beteiligung am Gespräch
- der Zustand der Wohnung
- mögliche Barrieren oder Unfallrisiken im Wohnumfeld
Alle Beobachtungen werden dokumentiert und am Ende gemeinsam besprochen.
3. Veränderungen werden nicht übersehen
Eine gute Pflegeberatung baut auf vorherigen Terminen auf. Frühere Protokolle werden berücksichtigt, um Veränderungen im Gesundheitszustand oder im Pflegeaufwand zu erkennen.
So lässt sich feststellen, ob neue Hilfen nötig sind oder bestehende Maßnahmen angepasst werden sollten. Pflege ist ein dynamischer Prozess – eine gute Beratung trägt dem Rechnung.
4. Es gibt konkrete Empfehlungen und aktive Unterstützung
Eine hochwertige Pflegeberatung beschränkt sich nicht auf Hinweise, sondern bietet echte Hilfe. Dazu zählen Empfehlungen zu:
- Hilfsmitteln
- Wohnraumanpassungen
- Alltagsbetreuung oder Entlastungsangeboten
- Pflegekursen für Angehörige
Zudem unterstützen gute Pflegeberater:innen bei der Antragstellung, erklären Leistungen der Pflegekasse verständlich und helfen bei Bedarf auch beim Antrag auf einen höheren Pflegegrad.
5. Gute Pflegeberatung wirkt vorbeugend

Pflegeberatung sollte nicht erst eingreifen, wenn es zu spät ist. Sie kann helfen, Einsamkeit zu vermeiden, Bewegung zu fördern und gesundheitlichen Abbau zu verlangsamen.
Empfehlungen können zum Beispiel sein:
- soziale Angebote oder Ausflüge
- regelmäßige Bewegung im Alltag
- Physiotherapie, Rehasport oder Wassergymnastik
- Prävention ist ein zentraler Bestandteil guter Pflegeberatung.
Brauchst du eine gute Pflegeberatung? Unter diesem Link kannst du mit uns Kontakt aufnehmen.
6. Qualifikation ist unverzichtbar
Pflegebedürftige haben das Recht, ihren Pflegeberater selbst auszuwählen. Wichtig ist dabei, dass die Person fachlich qualifiziert und zugelassen ist. Beratungseinsätze dürfen nur durchgeführt werden von:
- qualifizierten Mitarbeitenden zugelassener Pflegedienste
- anerkannten Pflegeberatungsstellen
- von der Pflegekasse beauftragten Pflegefachkräften
Pflegeberaterinnen und Pflegeberater beurteilen die Pflegesituation, sind jedoch nicht für medizinische Entscheidungen zuständig. Medikamentenfragen gehören weiterhin in ärztliche Hände.
7. Empathie und Respekt sind entscheidend
Neben der Fachkompetenz spielt auch die persönliche Haltung eine große Rolle. Eine gute Pflegeberatung erfolgt auf Augenhöhe, respektiert die Selbstbestimmung der Pflegebedürftigen und nimmt Sorgen ernst.
Viele Menschen haben Angst vor dem Termin und verwechseln ihn mit einer Begutachtung durch den Medizinischen Dienst. Eine gute Pflegeberaterin oder ein guter Pflegeberater nimmt diese Sorge und macht klar: Pflegeberatung ist Unterstützung, keine Kontrolle.
8. Überlastung wird ernst genommen
Pflegeberaterinnen und Pflegeberater sollen Angehörige stärken – gleichzeitig müssen sie erkennen, wenn Belastungsgrenzen erreicht sind. Wird die Pflege zu Hause zu anstrengend oder verschlechtert sich der Zustand der pflegebedürftigen Person deutlich, müssen Alternativen besprochen werden.
In seltenen Fällen, etwa bei Verwahrlosung, besteht sogar eine Meldepflicht gegenüber Pflegekasse oder Behörden. Ziel ist dabei immer der Schutz der Betroffenen.