Das Wichtigste in Kürze
- Pflegeberatungen gibt es freiwillig (§ 7a SGB XI) und verpflichtend (§ 37.3 SGB XI); letztere sind für viele Pflegegeldempfänger Pflicht.
- Wer den verpflichtenden Beratungseinsatz verpasst, riskiert die Kürzung oder den Verlust des Pflegegeldes – oft mit finanziellen Einbußen in Höhe von mehreren tausend Euro.
- Die Beratung hilft, Leistungen, Hilfsmittel und Unterstützung besser zu nutzen und die häusliche Pflege insgesamt zu verbessern.
Simone, was wird bei einer Pflegeberatung gemacht?
Simone: Es gibt zwei Arten von Pflegeberatungen, die von der Pflegekasse bezahlt werden. Zum einen bietet die freiwillige Pflegeberatung nach § 7a SGB XI eine umfassende Aufklärung rund um das Thema Pflege. Da erkläre ich den Angehörigen und Pflegebedürftigen etwa, welche Entlastungsmaßnahmen es gibt, wie die Gelder optimal eingesetzt werden und helfe, Anträge auszufüllen. Zum anderen gibt es die verpflichtenden Beratungseinsätze nach § 37.3 SGB XI, die ab Pflegegrad 2 halbjährlich durchgeführt werden müssen.

Warum sind die Beratungseinsätze nach Paragraf 37.3 nicht freiwillig?
Dieser Beratungsnachweis ist für Pflegebedürftige verpflichtend, die zu Hause von einer Privatperson betreut werden. Die Pflegekasse möchte so sicherstellen, dass der Pflegebedürftige optimal versorgt ist. Nach der 37.3-Beratung halte ich meine Erkenntnisse und Empfehlungen in einem Bericht fest, den ich an die Pflegekasse weiterleite.
Was passiert, wenn ich einen Beratungseinsatz nach § 37.3 verpasse?
Das Pflegegeld wird gekürzt oder gar gestrichen. Ich berate immer wieder Menschen, die nicht wussten, dass solche Beratungen Pflicht sind. Sie bekamen monatelang kein Pflegegeld und haben Tausende Euro verloren. Denn es wird nicht rückwirkend ausbezahlt, sondern erst wieder, nachdem die Beratung stattgefunden hat.
Bringt die Beratung den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen auch etwas?
Natürlich. Dieser ganze Pflegedschungel ist undurchsichtig. Oft ist für Laien nicht klar, welche Ansprüche sie überhaupt haben. Ich spreche auch Empfehlungen für Entlastungsmaßnahmen aus und kann bestimmte Hilfsmittel verordnen. Manchmal helfe ich auch, einen höheren Pflegegrad zu beantragen, und ich erkenne in Wohnungen, welche baulichen Veränderungen nötig sind. Dank einer Pflegeberatung erhalten viele erst die ganzen Leistungen im Wert von Tausenden Euro.
Was ist dir wichtig, wenn du deine Pflegeberatungen durchführst?
Ich kläre meine Klienten umfassend auf und pflege einen persönlichen Umgang mit ihnen. Dafür braucht es psychologisches Geschick. Ich kenne ihre Diagnose und erkundige mich nach ihren Problemen im Alltag. So erkenne ich, wie man ihnen am besten helfen kann.
Sollten Pflegeberatungen zu Hause oder online stattfinden?
Der erste Termin sollte zu Hause sein, um einen Überblick über die Pflegesituation und Räumlichkeiten zu erhalten. Danach können die Beratungen abwechselnd online und zu Hause stattfinden. Für manche Menschen sind die Online-Termine eine große Entlastung.
Triffst du auch auf Situationen, die dich erschrecken?
Leider. Neulich musste ich eine Beratung im Garten durchführen, weil mich ein Pflegebedürftiger nicht in sein Haus lassen wollte. Er gab Bauarbeiten als Grund an. Ich vermute jedoch, dass es sich um einen Messie-Haushalt handelt. Schon der Garten sah verwahrlost aus, ebenso der Mann. Er roch stark und ich hatte den Eindruck, dass ihn seine Pflegepersonen kaum betreuen.
Was machst du in solchen Situationen?
Ich habe meine Beobachtungen an die Pflegekasse weitergeleitet. Zudem habe ich dem Mann gesagt, dass ich das nächste Mal sein Haus betreten und mit seinen Pflegepersonen sprechen möchte. Ansonsten muss ich das städtische Versorgungsamt und Sozialamt einschalten. Manchmal ist ein Betreutes Wohnen oder Altenheim die bessere Option.
Solche Situationen sind sicher auch für dich nicht einfach.
Ja, aber zum Glück kommen sie selten vor. Ich bin schon seit 17 Jahren sehr glücklich in diesem Beruf, da er so vielfältig ist. Da sind so viele unterschiedliche Situationen und Menschen. Für jeden gibt es andere Lösungen, um die häusliche Pflege noch besser zu machen. Viele Klienten begleite ich über eine lange Zeit. Sie sind froh, eine Ansprechpartnerin zu haben, wenn es um die Pflege geht.