Das Wichtigste auf einen Blick
- Rollator als Schlüssel zur Selbstständigkeit: Die 89-jährige Annemie Ackermann nutzt seit rund 30 Jahren einen Rollator und kann dadurch weiterhin aktiv am Leben teilnehmen.
- Scham hält viele Senioren zurück: Aus Angst vor der Meinung anderer verzichten manche ältere Menschen auf eine Gehhilfe – für Ackermann eine unverständliche Entscheidung.
- Hilfsmittel schaffen Lebensqualität: Ob Rollator, Elektromobil oder mobiles Notrufsystem – moderne Hilfsmittel unterstützen ältere Menschen dabei, mobil, sicher und unabhängig zu bleiben.
An einem sonnigen Tag sitzt Ackermann auf der integrierten Sitzfläche ihres Rollators und genießt eine Pause. Gerade kommt sie von einem Ausflug ins Kölner Schokoladenmuseum zurück und wartet auf den Bus. „In solchen Momenten bin ich froh, dass ich mich einfach hinsetzen und ausruhen kann“, erzählt sie.
Seit rund 30 Jahren begleitet sie das Hilfsmittel bei nahezu jedem Weg. Ohne den Rollator, sagt sie, wäre ihr aktives Leben kaum möglich. „Ich bin fast jeden Tag unterwegs. Ohne diese Unterstützung wäre ich deutlich eingeschränkter.“ Für sie steht fest: Die Entwicklung des Rollators hat das Leben vieler Menschen enorm verbessert: „Die Erfinderin sollte mit einem Orden ausgezeichnet werden.“

Eine vergleichsweise junge Erfindung
Obwohl der Rollator heute zum gewohnten Straßenbild gehört, existiert seine moderne Form erst seit Ende der 1970er-Jahre. Entwickelt wurde sie von der Schwedin Aina Wifalk, die aufgrund einer Kinderlähmung selbst auf Unterstützung beim Gehen angewiesen war.
Da sie kein passendes Hilfsmittel fand, entwarf sie einen vierrädrigen Gehwagen mit Handgriffen, Bremsen und einer Sitzmöglichkeit. Das Konzept überzeugte schnell und verbreitete sich weltweit.
In Deutschland nutzen heute Schätzungen zufolge mehrere Millionen Menschen einen Rollator.
Scham verhindert oft wichtige Unterstützung
In ihrem Kölner Wohnviertel begegnet Ackermann regelmäßig anderen Rollator-Nutzerinnen und -Nutzern. Als sie in den 1990er-Jahren ihren ersten Rollator erhielt, war das noch anders. Damals fiel sie mit dem Hilfsmittel deutlich auf.
Trotzdem kam es für sie nie infrage, darauf zu verzichten. Schon in jüngeren Jahren machten ihr Knieprobleme zu schaffen, wodurch längere Wege zunehmend beschwerlich wurden. Der Rollator ermöglichte ihr, mobil zu bleiben und ihren Alltag weiterhin selbstständig zu gestalten.
Viele ältere Menschen lehnen eine Gehhilfe ihrer Erfahrung nach jedoch ab. Häufig stecke die Sorge dahinter, von anderen negativ beurteilt zu werden. Ackermann kann diese Haltung nicht nachvollziehen. Sie selbst legt wenig Wert auf fremde Meinungen, wenn es um ihre Gesundheit und Lebensqualität geht. Besonders bedauerlich findet sie, dass manche Senioren lieber zu Hause bleiben, als einen Rollator zu nutzen.
3 Tipps von Annemie Ackermann: So überwinden Senioren die Angst vor dem Rollator
- Lebensqualität über Meinung stellen: Die eigene Freiheit und Mobilität im Alltag sind wichtiger als die Blicke fremder Menschen.
- In Qualität investieren: Ein hochwertiges Modell abseits des Standard-Kassenmodells bietet spürbar mehr Komfort und Sicherheit.
- Offen Hilfe annehmen: Wer beim Busfahren oder Treppensteigen aktiv um Hilfe bittet, bleibt kontaktfreudig und meistert Barrieren spielend.

Aktiv bleiben trotz körperlicher Einschränkungen
Für Ackermann bedeutet Mobilität vor allem Lebensfreude. Sie trifft Freunde, unternimmt Ausflüge in Köln und Umgebung und erledigt ihre Einkäufe selbst. Auch Arztbesuche erreicht sie eigenständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Aus ihrer Sicht lohnt es sich, bei der Anschaffung auf Qualität zu achten. Mit günstigen Standardmodellen habe sie weniger gute Erfahrungen gemacht. Erst ein hochwertiger Rollator habe ihr deutlich mehr Komfort und Sicherheit geboten.
Hilfe annehmen gehört dazu
Ein weiterer Grund für ihre Selbstständigkeit ist ihre Offenheit gegenüber anderen Menschen. Wenn sie Unterstützung benötigt – etwa beim Einstieg in einen Bus oder beim Tragen von Einkäufen – bittet sie ohne Scheu um Hilfe. Diese Bereitschaft habe ihr vieles erleichtert.
Auch im hohen Alter legt sie Wert auf ihr Äußeres. Sie kleidet sich gern farbenfroh und möchte sich nicht auf unauffällige Farben beschränken. Mit Blick auf ihren bevorstehenden 90. Geburtstag zeigt sie sich dankbar: Nicht jedem sei es vergönnt, ein so hohes Alter zu erreichen.
Häufige Fragen zum Rollator (FAQ)
Zahlt die Krankenkasse den Rollator?
Ja, gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für ein medizinisch notwendiges Standard-Kassenmodell, wenn eine ärztliche Verordnung (Rezept) vorliegt. Für leichtere oder modernere Premium-Modelle müssen Nutzer eine Zuzahlung leisten.
Wer hat den Rollator erfunden?
Der moderne Rollator wurde 1978 von der Schwedin Aina Wifalk erfunden. Da sie selbst gehbehindert war, entwickelte sie die vierrädrige Gehhilfe mit integrierten Handbremsen und einer Sitzfläche. Heute nutzen schätzungsweise drei Millionen Menschen in Deutschland ein solches Hilfsmittel.
Welche Alternativen gibt es zum Rollator für mehr Mobilität?
Wenn die Kraft für einen Rollator nicht mehr ausreicht, bieten Elektrorollstühle oder Elektromobile Unterstützung für längere Strecken im Außenbereich.
Welche weiteren Hilfsmittel sorgen unterwegs für mehr Bewegungsfreiheit?
Mobile Notrufsysteme und Notrufuhren sorgen unterwegs für zusätzliche Sicherheit und ermöglichen im Ernstfall eine schnelle Ortung per Knopfdruck.
Auch Menschen, die aufgrund von Inkontinenz ihre Aktivitäten einschränken, können heute auf moderne und diskrete Produkte zurückgreifen. Solche Hilfsmittel tragen dazu bei, die eigene Mobilität zu erhalten und den Alltag weiterhin aktiv zu gestalten.